Besser genug als zuviel
„Besser genug als zuviel“. Dieser Spruch hing schon in der Küche meiner Großeltern. Solche alten Lebensweisheiten sind manchmal dringend nötig. Denn wir haben heute von Vielem zuviel. Merken wir das überhaupt noch? In den Supermärkten quellen die Regale über, die Boutiquen präsentieren Unmengen an Kleidung, wir posten in Deutschland jeden Tag Milliarden digitaler Nachrichten (mit einem enormen Stromverbrauch), jedes Jahr bauen wir immer noch mehr Autos, Straßen und Häuser und fliegen tausende Kilometer weit, um die Natur zu genießen. Besaßen die Menschen in den 1950-er Jahren noch im Durchschnitt unter 500 Dinge, so sind es heute schon über 10.000. Wo soll das alles hinführen?
Die Probleme, die dieser schöne Glanz mit sich bringt, die Schäden an der Umwelt, sind enorm. Eigentlich wissen wir das. Aber nehmen wir das auch ernst? Am 24. Juli war der Erdüberlastungstag, an dem wir für dieses Jahr alle Ressourcen verbraucht hatten, die für die Erde erträglich sind. Alles, was wir jetzt noch tun, ist schlicht zuviel. Wir verbrauchen gerade die Lebensgrundlagen unserer Kinder und Enkel einfach mit. Wollen wir das wirklich?
„Besser genug als zuviel“. Das klingt wie eine Medizin: Befreiung vom Überfluss, zurückfinden zu einem Leben in Maßen, Zufriedenheit spüren. Keine leichte Aufgabe, die eigenen Gewohnheiten zu ändern. Ich denke an das biblische Volk Israel nach der Befreiung. Die Zeit in der Wüste war eine wichtige Zeit der Neuorientierung. Mit dem Manna-Brot, das genau für einen Tag reichte, lernten sie wieder Maß zu halten und das zu genießen, was ihnen von Gott geschenkt ist. Ich stelle mir vor: Eine solche Wüstenzeit wäre auch für uns sehr hilfreich, um mehr Freude am dem zu entdecken, was wir alles nicht brauchen, und mehr Wertschätzung für das, was wir längst haben. Damit auch wir hingelangen in das „Gelobte Land“, wo wir nicht mehr über unsere Verhältnisse leben.
„Besser genug als zuviel“. Das soll in unserem Kirchenkreis das Motto der diesjährigen „Schöpfungszeit“ sein, zu der die Kirchen wieder bundesweit vom 1. September bis 4. Oktober einladen. Am 7. September laden wir dazu zu einem großen Kirchenkreis-Gottesdienst nach Bebra ein, an dem viele Naturschutzverbände sowie die Umweltbeauftragten aus den Gemeinden mitwirken werden. Machen Sie sich doch mit uns auf den Weg!
Carsten Röhr, Umweltpfarrer im Kirchenkreis HEF-ROF