Bruchstücke

Oh nein! Die schöne Schale von Großtante Lina! Die, an der mein Herz so gehangen hat!

Manchmal geht in unserem Leben etwas zu Bruch. Die Schale von Großtante Lina. Vertrauen, das enttäuscht wurde. Beziehungen, die in die Brüche gegangen sind. Hoffnungen, die zerbrochen sind. Das Leben fügt uns Verletzungen zu und manchmal entstehen Brüche auch durch unsere eigene Schuld. Und zugleich spüren wir eine tiefe Sehnsucht nach Unversehrtheit, Ganzheit, Vollkommenheit und Heil.  Manchmal ist diese Spannung nur schwer auszuhalten. Nicht nur, aber gerade auch angesichts des Todes.  

Im 1. Korintherbrief (Kap. 13 V. 12) schreibt der Apostel Paulus: „Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke. Aber dann werde ich vollständig erkennen, so wie Gott mich schon jetzt vollständig kennt.“ „Dann“ schreibt Paulus. Das ist die Verheißung für das, was aus der Perspektive des christlichen Glaubens noch kommt. Für das Leben nach unserem Tod in Gottes Ewigkeit. Wo sich die Bruchstücke in unserem Leben zu einem neuen Ganzen zusammenfügen. Wo heil wird, was hier zerbrochen ist. Und wo wir in Gottes Frieden aufgehoben glauben dürfen, was wir in unserem Leben hier auf dieser Erde nicht verstehen.

Wenn wir jetzt am Ewigkeitssonntag an die Menschen denken, die uns vorausgegangen sind, ist mir das ein Trost.

Silke Kohlwes, Pfarrerin in der Stadt- und Johanneskirchengemeinde Bad Hersfeld