Von meiner Oma habe ich gelernt zu beten. Als Kind durfte ich am Wochenende manchmal bei ihr im großen Bett schlafen. Unter einer weichen Daunendecke, in die ich fast ganz versank. Dort fühlte ich mich geborgen und sicher. Bevor wir einschliefen, hat sie mit mir gebetet. Ganz selbstverständlich. Diese Momente haben sich eingeprägt.

Von meiner Oma habe ich gelernt, dass es da einen Ort gibt, an dem ich mit allem hin darf: mit Freude und Sorge, mit Dankbarkeit und Müdigkeit, mit Worten und mit Schweigen. Ein Ort, der mich trägt, gerade dann, wenn vieles im Alltag durcheinandergerät.

Der kommende Sonntag heißt im Kirchenjahr Rogate: Betet. Laut oder leise, allein oder gemeinsam, frei oder mit vertrauten Worten. Für mich klingt darin keine Pflicht, eher eine Einladung. Mitten im Alltag innehalten, einen Gedanken vor Gott bringen. Manchmal nur ein Satz, manchmal ein Seufzer oder einfach still werden.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ Dieser Vers aus den Psalmen begleitet die Woche. Darin steckt für mich die Gewissheit: Was mich bewegt, geht nicht verloren. Es hat einen Ort bei Gott.

So wächst im Gebet auch der Dank. Für Menschen, die mich geprägt haben und für das, was sie mir mitgegeben haben. Dass dieser Sonntag auf den Muttertag fällt, passt für mich gut. Ich denke an Menschen, die mich getragen haben, wie meine Oma und meine Mutter, der ich viel zu verdanken habe und die ich gern mit Blumen überrasche.

Und gleichzeitig ist er nicht für alle leicht. Manche vermissen ihre Mutter. Andere hätten sich eine andere Beziehung gewünscht. Manche sind selbst Mütter und oft erschöpft. Auch das gehört dazu. Alles darf im Gebet Raum haben: Dank und Schmerz.

Gebet ist für mich ein Ort, an dem ich mich mit meinem ganzen Leben geborgen weiß, wie damals unter der großen Decke im Bett meiner Oma. Nur heute anders und doch genauso tragend.

Pfarrerin Antje Pförtner, Alheim – Braach