Das erste Wochenende der Passionszeit steht unscheinbar im Kalender. Nach der Karnevalszeit, nach Helau und Alaaf, kennt dieses Wochenende keine lauten Bräuche – und doch hat mit dem Aschermittwoch eine besondere Zeit begonnen: vierzig Tage bis Ostern. Vierzig Tage zum Innehalten, zum Prüfen, zum Neu-Ausrichten des eigenen Lebens.
Die Passionszeit erinnert an den Weg von Jesus von Nazareth – einen Weg, der nicht an Schwierigkeiten vorbeiführte, sondern mitten hindurch. Es ist ein Weg der Klarheit und des Vertrauens. Auch wer mit dem christlichen Glauben wenig anfangen kann, kennt solche Etappen: Zeiten, in denen Entscheidungen reifen, in denen man Abschied nimmt oder einen Neuanfang wagt.
Diese Wochen laden ein, bewusster zu leben. Vielleicht weniger konsumieren. Vielleicht achtsamer sprechen. Vielleicht einen alten Konflikt klären. Verzicht ist dabei kein Selbstzweck, sondern schafft Raum – für Gedanken, die sonst keinen Platz haben, für Dankbarkeit, für ehrliche Begegnungen.
Dieses erste Wochenende braucht keinen großen Vorsatz. Vielleicht genügt ein Abend ohne Ablenkung. Ein offenes Gespräch. Ein Moment der Stille vor Gott. Veränderung beginnt selten mit einem Paukenschlag. Meist beginnt sie leise – mit einem bewussten Atemzug und dem Mut, den ersten kleinen Schritt zu gehen.
Andreas Schmidt-Wecken, Pfarrer in Obersuhl